Trockener Hungerstreik in Ebersberg, Mai 2017

Trockener Hungerstreik für Bleiberecht

Tag VI - Ende des Durststreiks
27. Mai 2017

Videobotschaft vom 5. Tag des trockenen Hungerstreiks in Ebersberg. Auf der Solidaritätskundgebung sind zur Zeit etwa 50 Menschen.
"Viele sagen, Deutschland ist ein freies Land (....) Aber wo ist denn die Freiheit, wo ist denn der Frieden? (...) Manche sind hier 7 Jahre, 8 Jahre und dann bekommen sie den Brief mit der Abschiebung. (...) Sie sagen, hier ist ein sicheres Leben, aber das ist kein Leben."

Das ganze Video finden Sie

 

Seit 11 Uhr vormittags versammeln sich Menschen in Solidarität mit den Hungerstreikenden vor dem Landratsamt. Hier einige Eindrücke:

 

Seit 12:20 Uhr Mittag ist der Durststreik beendet. Hier das Statement:

Der Hungerstreik ist für heute beendet, aber nicht für immer.
Viele Leute waren hier - von der SPD, von den Grünen, der Pfarrer und vom Landratsamt - sie haben gesagt, sie wollen uns helfen. Wir haben eine Liste mit unseren Namen gegeben und warten jetzt auf eine Antwort.
Wir können nicht so lange warten, denn es geht um unser Leben. Wenn keine Antwort kommt, werden wir weiter kämpfen.
Wir kämpfen für ein Bleiberecht, gegen die Abschiebung, gegen Arbeitsverbote, gegen die Lager, gegen die rassistischen Gesetze.

 

 

Tag IV
26. Mai 2017

Mittlerweile ist der vierte Tag des trockenen Hungerstreiks angebrochen. Einige von uns hatten nachts gesundheitliche Probleme. 3 Personen mussten ins Krankenhaus eingewiesen werden. Heute  morgen musste nochmal eine Person von der Ambulanz abgeholt werden. Dem Rest geht es aber noch gut und wir kämpfen weiter für unsere Rechte.

Das Landratsamt machte das Angebot Arbeitserlaubnis zu erteilen. Aber nur für die von uns, für die Ebersberg zuständig ist. Das wurde zwei Stunden später widerrufen. Denn Arbeitserlaubnis erteilen sie nur, wenn ein Reisepass vorgelegt wird. Das können wir nicht machen.

Heute Abend wurde uns im Krankenhaus die Behandlung verweigert. Einer von uns berichtet, dass er weggeschickt wurde. Der Arzt fragte: "Bist du vom Hungerstreik?" Dann wurde unser Freund weggeschickt. Der Arzt meinte, du kannst einmal kommen, aber kein zweites Mal. Die Infusion wurde auch gegen unseren Wunsch verweigert.

 

SOLIDARITÄTSERKLÄRUNG - Kreis Jugendring Ebersberg

"In Ebersberg demonstrieren vor dem Landratsamt Menschen für Freiheiten, die für uns selbstverständlich sind. Freiheiten, die wir alle haben, weil wir hier, in Ebersberg geboren wurden. Die Geflüchteten demonstrieren, weil sie das Recht wollen sich selbst verwirklichen zu können, arbeiten zu können und für sich selbst sorgen zu dürfen. Sie demonstrieren gegen das untätige Warten in ihren Unterkünften. Gegen das Warten darauf, dass Regierungen Verantwortung übernehmen und tätig werden.
Wir sprechen uns aus für die Menschen, die sich gezwungen sehen eine Verzweiflungstat wie einen Hungerstreik zu begehen.

Wir sprechen uns aus für die Menschen, die von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen wollen. Wir stehen auf der Seite derer, die in einer Demokratie mit friedlichen Mitteln auf Umstände zeigen wollen, unter denen sie leiden.

Für ein menschliches und solidarisches Zusammenleben! Gegen Neonazismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit! 

Der Vorstand des Kreisjugendring Ebersberg"

 

ANKÜNDIGUNG der Solidaritätskundgebung vom Bündis BUNT STATT BRAUN

Morgen, Samstag, den 27.05.2017 findet in Ebersberg, um 11.00 Uhr (Ende ca.12.00 Uhr)
vor dem Landratsamt, eine Solidaritätskundgebung für die Geflüchteten statt, die vor Ort mit einem Hungerstreik auf Ihre schwierige Situation aufmerksam machen wollen.

  

 

 

Tag III
25. Mai 2017

Heute war der dritte Tag des trockenen Hungerstreiks.

Viele Leute haben heute unseren Protest beschimpfen und bedrohen. Eine Frau riss zuerst das Banner vom Boden weg, hob dann den Stein vom Boden auf, der davor das Banner beschwerte und warf ihn auf uns drauf. Dann riss sie das Transparent „DRY HUNGER STRIKE“ herunter. Wir alarmierten die Polizei, die eine halbe Stunde später kam und behaupteten, dass sie die Frau nicht mehr gefunden haben. Heute ist ein Feiertag, dennoch besuchte uns eine Vertreterin der Grünen Partei und Leute vom Landratsamt – ohne Ergebnisse. Gestern war auch eine Vertreterin von der SPD da.  Aber niemand fühlt sich wirklich für unsere Probleme verantwortlich.

Am Tag und in der Nacht kommen aber auch immer viele Menschen in Solidarität. Was uns sehr freut und uns Hoffnung gibt.

Die Polizei kommt stündlich und überprüft die Situation.

Zwei Menschen mussten heute wieder ins Krankenhaus gebracht werden. Es geht ihnen gut und sie sind schon wieder zurück beim Protest.

 

 

 

Tag II24. Mai 2017

Seit zwei Tagen sind wir im trockenen Hungerstreik ohne Zelt und ohne alles. Wir warten auf eine Antwort, aber bis jetzt ist noch niemand gekommen um mit uns eine Lösung zu finden. Drei Leute sind heute ins Krankenhaus gekommen. Aber wir verlieren die Hoffnung nicht und kämpfen weiter für unsere Rechte.

Unsere Forderungen lest ihr unten.

 

 

Tag I
23. Mai 2017

Seit heute morgen befinden sich die Protestierenden im trockenen Hungerstreik. Die Forderungen werden direkt an die Ausländerbehörde im Landratsamt Ebersberg adressiert, stellvertretend für alle asylrechtsrelevanten Organe. Hier das Statement nach dem ersten Tag im trockenen Hungerstreik:

Wir sind die Geflüchteten von Refugee Struggle for Freedom

Seit gestern protestieren wir vor dem Landratsamt Ebersberg nahe München und kämpfen für unsere Rechte. Seit heute sind wir im trockenen Hungerstreik und bis jetzt gibt es keine Reaktion von der Regierung. Sie ignorieren uns komplett. Die Polizei hat angekündigt, dass sie unseren Protest wegen gesundheitlichen Risiken beenden, wenn wir unseren Hungerstreik fortführen. Aber wenn die Regierung sich um uns sorgt, warum geben sie uns dann nicht unsere grundlegenden Menschenrechte? Wir fordern von der Regierung keine Millionen von Euros. Wir fordern unsere grundlegenden Rechte, so dass wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen können.

Hier gibt es auch jede Menge Nazis, die unseren Protest stören und jede Menge Scheiße zu uns sagen. Aber wir machen der Regierung klar, dass wir nicht in die modernen Gefängnisse, die sogenannten Lager zurückgehen, solange wir unsere Rechte nicht erhalten.

Der Protest wird weitergehen, bis wir unsere Rechte bekommen:

1. Das Recht zu bleiben

2. Keine Diskriminierung in der Gesellschaft

3. Abschiebestopp

4. Arbeitserlaubnis

5. Abschaffung der Lagerpflicht